Der Kirchenbote vom 03.12.2006 veröffentlichte folgenden Artikel:
Die Kirche und das Pfarrheim sind jetzt einsAn diesem Wochenende zieht die Meppener St.-Paulus-Gemeinde wieder in ihre Kirche ein - und gleichzeitig ins neue Gemeindehaus. Der Umbau vereint Kirche und Pfarrheim unter einem Dach. Zur Einsegnung des ersten Kirchenrückbaus im Bistum kommt Generalvikar Theo Paul nach Meppen. Einige Tage zuvor stehen Pfarrer Hartwig Brockmeyer und Gemeindereferentin Simone Arndt mit den Kirchenvorstandsmitgliedern Alfons Altmeppen, Reinhard Büring sowie Hans-Hermann Friese in der Kirche. Zufrieden kommentieren sie, was Architekt Ulrich Recker mit viel Engagement erdacht und die Handwerker ausgeführt haben. "Es kann sich wirklich sehen lassen", sagt Pastor Brockmeyer. Hier trifft sich künftig die Gemeinde, feiert Gottesdienst und gestaltet Leben in St. Paulus: in der Kirche, unter einem Dach. Die 4000 Mitglieder zählende Pfarrei ist mit dem Umbau zu einem neuen Weg aufgebrochen. Ausgangspunkt waren der schlechte Zustand des Gemeindehauses und dringende Reparaturen in der Kirche. "Die Folgekosten waren so groß, dass wir uns das nicht mehr leisten konnten", sagt der Pfarrer. Hinzu kam, dass wie in anderen Gemeinden immer weniger Menschen zu den Gottesdiensten in St. Paulus kamen. "Die ersten Reihen waren oft leer", räumt Brockmeyer ein. Die Meppener zogen daraus Konsequenzen: das Grundstück samt Gemeindehaus verkaufen, den Gottesdienstraum verkleinern und dafür das Pfarrheim in die Kirche einbauen. "Wir ziehen mit dem Leben unter das Kirchendach", skizziert der Pastor das bis ins Detail durchdachte Konzept. Besucher betreten die Kirche durch das neue Hauptportal an der Mühlenstraße und sehen das Taufbecken: Das erste Sakrament steht am Anfang dieser "Wegkirche". Von dort zieht die Gemeinde zum Altar, der auf dem abgesenkten Chorraum steht. Die aufgearbeiteten Bänke sind nach vorn gerückt, die Zahl der Sitzplätze wurde um 100 auf 280 reduziert. Links gibt es die Marien- und eine neue Beichtkapelle. Durch den schlichten Anstrich, farbliche Akzente und den neuen Fußboden wirkt die Kirche heller. "Es ist viel freundlicher geworden", meint Simone Arndt. Die Nischen der Fenster strahlen leuchtend blau, sorgen je nach Tageszeit für ein Farbspiel. Noch haben einige Fenster eine "Notverglasung". Sie soll später durch eine künstlerische Verglasung ersetzt werden. Von der Kirche gehen die Besucher in den "hortus conclusus" (verschlossener Garten). Dieser lichte Gang verbindet Kirchen- und Gemeinderäume. Im Erdgeschoss gibt es den Mutter-Kind-Raum, einen Saal für 100 Personen, Toiletten und die Küche. Mehrere Wände lassen sich öffnen, so dass der Gang einbezogen werden kann. Rechts an die Kirche haben die Handwerker einen kleinen Küchenanbau gesetzt. Das bietet die Chance, größere Gruppen zu beköstigen. Im Rahmen eines Kooperationsvertrages könnten Mitarbeiter des St.-Vitus-Werkes diese Aufgabe übernehmen. Im Obergeschoss, das durch einen Fahrstuhl zu erreichen ist, gibt es Zimmer für die Arbeit mit Erwachsenen und einen Integrationsraum. Viele Wände sind wie unten verglast, lassen Tageslicht hinein und erlauben einen Blick ins Kirchenschiff. Der Kirchturm gehört der Jugend von St. Paulus. Auf drei Ebenen finden sie reichlich Platz für einen offenen Treff und Gruppenstunden. Der Um- und Rückbau bringt nicht nur finanzielle Vorteile, sondern eröffnet neue Chancen in der pastoralen Arbeit. Kinderkirche parallel zum Hochamt, Kirchencafé nach der Sonntagsmesse, zwanglose Treffen, ohne dass sich alles verläuft: Brockmeyer und der Kirchenvorstand glauben, dass das "Haus in Haus"-Modell noch mehr Möglichkeiten bietet. 1,55 Millionen Euro kosteten die Bauarbeiten. Zuschüsse gab es von der Klosterkammer Hannover, dem Landkreis Emsland, der Stadt Meppen, dem Bistum sowie der Volksbank-Raiffeisenstiftung für die Orgel. Neben Eigenmitteln und angespartem Geld muss die Gemeinde 400.000 Euro aufbringen. Noch ist nicht alles zusammen. "Wir sind auf Spenden angewiesen", sagt Pastor Brockmeyer. |