Impuls zum 17. Sonntag im Jahreskreis


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Lesung aus dem Brief des Apostels Paulus   Eph 4,1-6             an die Gemeinde in Éphesus.

Schwestern und Brüder!
1 Ich, der Gefangene im Herrn, ermahne euch, ein Leben zu führen, das des Rufes würdig ist, der an euch erging.
2 Seid demütig, friedfertig und geduldig, ertragt einander in Liebe
3 und bemüht euch, die Einheit des Geistes zu wahren durch das Band des Friedens!
4 Ein Leib und ein Geist, wie ihr auch berufen seid zu einer Hoffnung in eurer Berufung:
5 ein Herr, ein Glaube, eine Taufe, 6 ein Gott und Vater aller, der über allem und durch alles und in allem ist.

Wort des lebendigen Gottes

Aus dem heiligen Evangelium nach Johannes.                                                                                                             Joh 6,1-15

In jener Zeit
1 ging Jesus an das andere Ufer des Sees von Galiläa, der auch See von Tibérias heißt.
2 Eine große Menschenmenge folgte ihm, weil sie die Zeichen sahen, die er an den Kranken tat.
3 Jesus stieg auf den Berg und setzte sich dort mit seinen Jüngern nieder.
4 Das Pascha Sprich: Pas-cha., das Fest der Juden, war nahe.
5 Als Jesus aufblickte und sah, dass so viele Menschen zu ihm kamen, fragte er Philíppus: Wo sollen wir Brot kaufen, damit diese Leute zu essen haben?
6 Das sagte er aber nur, um ihn auf die Probe zu stellen; denn er selbst wusste, was er tun wollte.
7 Philíppus antwortete ihm: Brot für zweihundert Denáre reicht nicht aus, wenn jeder von ihnen auch nur ein kleines Stück bekommen soll.
8 Einer seiner Jünger, Andreas, der Bruder des Simon Petrus, sagte zu ihm:
9 Hier ist ein kleiner Junge, der hat fünf Gerstenbrote und zwei Fische; doch was ist das für so viele?
10 Jesus sagte: Lasst die Leute sich setzen! Es gab dort nämlich viel Gras. Da setzten sie sich; es waren etwa fünftausend Männer.
11 Dann nahm Jesus die Brote, sprach das Dankgebet und teilte an die Leute aus, so viel sie wollten; ebenso machte er es mit den Fischen.
12 Als die Menge satt geworden war, sagte er zu seinen Jüngern: Sammelt die übrig gebliebenen Brocken, damit nichts verdirbt!
13 Sie sammelten und füllten zwölf Körbe mit den Brocken, die von den fünf Gerstenbroten nach dem Essen übrig waren.
14 Als die Menschen das Zeichen sahen, das er getan hatte, sagten sie: Das ist wirklich der Prophet, der in die Welt kommen soll.
15 Da erkannte Jesus, dass sie kommen würden, um ihn in ihre Gewalt zu bringen und zum König zu machen. Daher zog er sich wieder auf den Berg zurück, er allein.

Evangelium unseres Herrn Jesus Christus

Gedanken

Jetzt ist gerade Grillzeit und wenn man Gäste einlädt, dann gilt es zu rechnen, wieviel brauche ich. Nicht damit es am Ende heißt: „Leider ist alles aufgegessen“. Dass ist so ziemlich das Peinlichste, was wir uns als Gastgeber vorstellen können. Auf der anderen Seite steht die Sorge, dass wir womöglich noch Massen einfrieren müssen oder sogar was wegschmeißen.

Mir geht es so, dass ich eingekauft habe und zuhause am Tisch ausgebreitet denke: Was ist das schon, dass reicht doch nie!

Und wenn es dann zubereitet auf dem Tisch steht, reicht es für alle und meist bleibt auch noch der Anstandsrest über.

Liebe Schwestern und Brüder,

genau das höre ich aus den Texten des heutigen Tages. Da meckert einer in der ersten Lesung und sagt: Wie soll ich das 100 Männern vorsetzen?

Da klingt zum einen durch – für 100 Personen ist das zu wenig und ich höre daraus auch: Für Männer ist das nicht das richtige.

Und am Ende reicht es und es bleiben Reste über, genau wie im Evangelium, da reichen wenige Gaben für 5000 Männer.

Es bleibt reichlich über, dass man wieder einsammeln kann und in Körben zusammenträgt.

Die zweite Lesung aus dem Brief an die Gemeinde in Ephesus scheint hierzu aber nicht zu passen. Paulus appelliert an seine Gemeinde, dass sie demütig, friedfertig und geduldig sein soll. Sie sollen einander in Liebe ertragen und in dem einen Geist und dem einen Leib des Volkes Gottes ihre Berufung und ihren Gott erkennen und folgen. Da scheint nicht alles gut zu sein.

Liebe Schwestern und Brüder,

ich finde schon, dass diese zweite Lesung zu der Frage des, „Reicht es eigentlich für alle?“, passt.

Paulus schreibt als Gefangener im Herrn. Es ist davon auszugehen, dass er diesen Brief aus dem Gefängnis schreibt. Er hat also ziemlich gar nichts. Er hat keine große Freiheit, sicherlich keine Mengen an Essen und auch nicht viel Kontakt nach außen.

Wer so wenig besitzt wie Paulus gerade, der kann nicht helfen, der kann nichts geben.

Aber er schreibt aus der Haft an eine Gemeinde die frei ist und die Gemeinschaft hat. Er baut sie mit seinen Möglichkeiten, seinen Worten auf.

Und ihm ist wichtig, sie daran zu erinnern, dass sie viel mehr haben als manch anderer und das sie alle daraus Nutzen ziehen sollen.

„Ertragt einander in Liebe“, das ist schon viel. Sie mögen sagen: Wie soll das helfen, wie kann das dem anderen, meinem Gegenüber etwas bringen?

Aber das bedeutet auch, dass wir dieses gegenseitige Ertragen nur als Last empfinden. Wer den Anderen in Liebe erträgt, der gibt viel mehr als er und sie denkt.

Geduldig und friedfertig zu sein, ist keine kleine und leichte Aufgabe, aber wer das schafft, der nutzt nicht nur sich selbst, sondern trägt zum Frieden und zur Gemeinschaft bei.

Liebe Schwestern und Brüder,

immer wieder denken wir, gerade auch jetzt, wo es auf die Wahlen zu geht – was kann ich schon tun. Ich bin ja allein, und ich allein habe nichts zu sagen und kann nichts ändern. Alles was ich tun will, reicht nicht, ist nicht genug. Aber – das stimmt einfach nicht.

So wie es bei den Wahlen heißt: Jede Stimme zählt!, ist es im Leben immer.

Wenn Du und ich, wenn wir uns alle, jeder nach seinen Möglichkeiten einbringen, dann ändert sich was. Dann ist das vielleicht immer noch nicht zu viel, aber es reicht.

Schauen wir auf die Hilfe für die Menschen in den Katastrophengebieten in der Welt. Oft können wir allein nichts schaffen. Aber die Hilfsaktionen und Hilfsdienste arbeiten auch nie allein. Das sind immer Gruppen, es sind Teams, es sind gemeinsame Spenden die zu einer großen Hilfsaktion beitragen.

Genauso ist es auch mit allen Veränderungen in der Welt und in unserer Gemeinde. Wenn Menschen sich zusammen tun, kommen plötzlich neue Angebote zustande. Unsere Gruppen für Kinderkirche und Familiengottesdienste bestehen immer aus mehr als zwei Personen. Alle bringen ihren Teil ein und es kommt was Gutes dabei heraus.

Wenn wir heute also bei irgendetwas das Gefühl haben, allein nichts schaffen zu können, dann lasst uns Mitstreiter suchen. Lasst uns aber auch unseren Gott in den Blick nehmen und ihm vertrauen, dass er uns hilft und wir mit seinem Beistand und gemeinsamen Tun unsere Welt und unsere Gemeinde verändern und weiterbringen können.

Jeder kommt mit seinem bisschen und am Ende reicht es für alle und es bleibt sogar noch was über.

Amen.

Gebet

Guter Gott, du hast uns zu deinen Kindern gemacht und in dein Volk berufen. Hier sollen wir gemeinsam wirken, zusammenwachsen in der Liebe und eins sein im Heiligen Geist.
Lehre uns auf dich zu hören und aufeinander zu achten.
Lehre uns die Welt in deinem Sinne zu nutzen und zu bewahren.
Begleite mit deinem Segen unser Tun, damit wir glaubhafte Zeugen deiner Gegenwart und deiner Liebe sind, heute und alle Tage unseres Lebens.
Amen.

Ralf Wellbrock, Pfr.