Impuls zum 24. Sonntag im Jahreskreis


Bild von (El Caminante) auf

Gedanken zum Evangelium

Für wen halten mich die Menschen?  Ja für wen eigentlich?

Damals wie heute ist Jesus von Nazareth für viele Menschen nicht verständlich.
Wer war Jesus- damals, wer ist er heute für uns?
Was geht er uns heute noch an?
Was bedeutet er für mich?

Simon Petrus antwortet ganz selbstverständlich: Du bist der Christus!

Für gläubige Christen besteht kein Zweifel: Er war der verheißene Messias, der Sohn Gottes, geboren von der Jungfrau Maria, starb am Kreuz, wurde begraben, ist von den Toten auferstanden und aufgefahren in den Himmel.

Liebe Mitchristen, wie oft fragen wir uns was andere Leute über uns denken! Wie oft richten wir uns in dem, was wir sagen, wie wir reden, wie wir uns verhalten oder was wir anziehen nach dem Urteil und den Erwartungen anderer Leute! Was sollen denn die Leute von mir denken? Es ist s schon sehr wichtig, gut rüber zu kommen. Mir geht es nicht anders. Ich möchte jetzt und hier auch gut rüberkommen. Vorhin stand ich vor dem Spiegel und habe überlegt, welches Outfit am besten wäre. Natürlich liegt mir viel daran, dass ich und vor allem auch meine Predigt positiv bei ihnen ankommen und Sie nicht gleich gedanklich abschalten.   Das haben wir gerade in den letzten Wochen vor den heutigen Wahlen deutlich festgestellt. Auch den Politkern aller Parteien, ob auf Kommunal- oder Bundesebene haben weder Kosten noch Mühe gescheut, sich in Szene zu setzen um bei den Wahlen möglichst erfolgreich abzuschneiden.   Geht es Jesus ebenso? Schließlich fragt er ja im heutigen Evangelium "Für wen halten die Leute mich?" Ist es ihm wichtig, bei allen gut anzukommen und möglichst gut dazustehen.   Nein, ihm geht es nicht um Mehrheit und Macht, sondern darum, dass jede Einzelne und jeder Einzelne von uns FARBE BEKENNT, dass wir uns zu ihm bekennen, egal, was die anderen Leute denken!   Da sind zuerst die Jünger. Sie ziehen nun schon lange mit ihm umher, sie haben viel gehört, gesehen und mit Jesus erlebt. Jesus möchte, dass sie ihm sagen, was sie von ihm halten. Auch wir werden gefragt. Wir werden nicht gefragt, was wir von Religion, von Glauben allgemein halten oder was wir über Pfarrer Wellbrock denken, das könnten wir bestimmt leicht beantworten. Wir werden gefragt, wer Jesus für uns ist, was er uns bedeutet.

Liebe Schwestern und Brüder!

Ist Jesus für mich, der „Christus, der Sohn des lebendigen Gottes“?
Ist mein Glaube an ihn mehr als Verehrung?
Prägt und bestimmt er mein Leben?
Lasse ich mich von ihm leiten und führen?
Ist er Maß-gebend auch in meinem Alltag?

Wenn ich diese Frage beantworten soll, dann geht es doch um meine ganz persönliche Beziehung zu ihm. Es geht um Erfahrungen, die ich mit ihm gemacht habe.

Heute erlebt die Kirche Christi viele Turbulenzen, die Anerkennungskurve zeigt deutlich nach unten. Unsere Kirche braucht mehr denn je mutige Frauen und Männer, die an ihrem Glauben festhalten und auch in jeder Situation bereit sind, Zeugnis dafür abzulegen.

Ist Jesus noch unter uns lebendig, in unserer Kirche, in unserer Gemeinde, in mir? Was wissen wir denn von Jesus?

Wir wissen: Er war der Sohn von Josef, dem Tischler, und Maria, seiner Frau, aber auch von Gott. Er wurde in Nazareth geboren und starb auf Golgatha bei seiner Kreuzigung circa 30 Jahre später. Dazwischen, oder besser gesagt die letzten Jahre vor seinem Tode, wanderte er mit seinen Jüngern in Israel herum, predigte und tat Wunder.

Wir wissen, er ist gekommen, um Gottes Frieden zu den Menschen zu bringen.
Aber was ist davon in unserer Welt geblieben, über zweitausend Jahre danach?

Gestern vor genau 20 Jahren geschah am 11.09.2001 in New York der grausame Terroranschlag auf das World Trade Center mit Tausenden von Toten. Warum?

Warum die Flutkatastrophe, dessen schreckliche Bilder noch ganz präsent sind und in der so viele Menschen alles verloren haben.

Warum die so lange andauernde und immer wieder neu aufflackernde Pandemie, die unser tägliches Leben schon seit 1 ½ Jahren erheblich einschränkt?

Warum müssen Menschen aus ihrem Heimatland flüchten, wie gerade jetzt in Afghanistan.

Geliebte Menschen sterben viel zu früh.

Warum Krankheiten: Krebs oder chronische nicht heilbare Krankheiten. Kinder erkranken schwer, auch mein Kind.

Warum? Ist es das Kreuz, dass wir auf uns zu nehmen haben, weil wir glauben?

Vor über 20 Jahren habe ich mit Jugendlichen einen Gottesdienst vorbereitet. Es ging um das Thema: was geht uns dieser Jesus heute noch an? Als Grundlage diente uns ein Brief, ein offener Brief an Jesus von Nazareth, geschrieben von einem einfachen Mann aus Südamerika:

Er schreibt:

Verzeih mir, dass ich an Dich schreibe.
Ganz sicher liegt Dir an mir nichts. Ein unbedeutender Fall bin ich:
Segundo Lopez Sanchez. Zimmermann von Beruf, verheiratet und fünf Kinder. Ich arbeite bei einer Baufirma und übernehme Gelegenheitsjobs.
Ich bin einer von deinen Armen.
Was das angeht, so habe ich weder Kraft noch Geduld.
Herr, der Kampf ums Überleben ist groß, und der Schnaps reicht nicht aus.  Herr, es ist besser, wenn du herabsteigst und mit eigenen Augen alles ansiehst.
Ich bin nicht sehr gebildet, aber es heißt, Du habest in Deiner Jugend denselben Beruf wie ich ausgeübt.
Ich weiß nicht, was es in jener Zeit bedeutete, von seiner Arbeit zu leben und arm zu sein.
Heute dagegen ist es ein Wunder, ein größeres als das der Brote und Fische, wenn man überhaupt etwas auf den Tisch stellen und teilen kann, damit alle ein bisschen bekommen.
Du kannst es ja selber erfahren:
Komm und arbeite als Zimmermann mit uns, versuche, mit dem Tageslohn auszukommen.
Du wirst Blut schwitzen wie damals im Garten.
Geh auf die Straßen und beginne zu predigen, wie Du es einstmals gegen die Pharisäer getan hast. Wenn sie Dich nicht kreuzigen werden wie damals, dann deswegen, weil heutzutage ein Wort genügt, und sie haben Dich zum Schweigen gebracht.
Herr, komm und hilf uns, damit sie nicht sagen:
„Selbst Jesus Christus kann das Problem nicht lösen.“
Von Arbeiter zu Arbeiter bitte ich Dich.

Dein niedriger Gefolgsmann Segundo Lopez Sanchez.

Was würde Jesus auf den Brief des armen Arbeiters antworten?
Gilt seine Botschaft auch für ihn? Für ihn und für uns?
Ich kann mir vorstellen:

Jesus würde sagen:

Natürlich bin ich nicht mehr leibhaftig sichtbar in der Welt von heute, aber meine Botschaft war eine Botschaft der Liebe und der Befreiung, und die ist immer noch gültig.
Heute ist es eure Aufgabe, mein Werk fortzusetzen.
Heute seid ihr gefordert, allen Hilfe Suchenden zur Seite zur stehen.
Bringt ihr den unruhigen Menschen Ruhe, den Ungeliebten Liebe, den Friedlosen den Frieden!
Ich weiß, dass das Leiden der Menschen unverständlich ist.
Es ist aber auch die Herausforderung an die, die nicht leiden müssen, denen zu helfen, die Hilfe benötigen. Wo das geschieht, wird meine Botschaft verstanden!
Wenn wir uns zu Jesus bekennen und seine Botschaft befolgen, müssen wir leiden und uns ebenso kreuzigen lassen?

So steht es im heutigen Evangelium.

Aber das hat Jesus nicht wörtlich gemeint.
Es geht nicht um das gleiche Kreuz.

Es geht darum, dass wir erkennen, das wir Menschen füreinander da sein sollen. Das wir erkennen, wo und wann wir hilfreich eingreifen müssen

Das wir uns einfach Zeit nehmen füreinander, dass wir ein Stück von dem hergeben, woran wir besonders hängen, von unserer Zeit, von unserem Leben.

Christus ist am Kreuz gestorben, damit wir eine Hoffnung haben, die selbst im tiefsten Leid und in absolut auswegloser Situation bleibt und uns hilft, unser Kreuz zu tragen.

Christus ist für uns eine Erinnerung daran, dass uns in jedem Mitmenschen Gott begegnen kann. Beten wir für uns und für alle Menschen um den Geist der Liebe.

Wenn dieser Geist anfängt, in unseren Herzen zu wohnen und zu wirken, werden wir auch seine Früchte ernten, wunderbare Früchte:
Sie tragen den Namen: Liebe, Güte, Zuversicht, Gerechtigkeit, Frieden.

Zum Schluss noch einmal:

Für wen halten wir Jesus?
Wer ist Jesus für mich?

Antworten wir wie Lothar Zenetti:

„WER JESUS FÜR MICH IST? – EINER, DER FÜR MICH IST!
WAS ICH VON JESUS HALTE? – DASS ER MICH HÄLT!“

Amen!

Mechthild Kerkhoff