Impuls zum Freitag der 17. Woche im Jahreskreis


Das singen die Wise Guys. Eine ehemalige Schulband, die es zu großem Ruhm unter den a cappella- Gruppen Deutschlands gebracht und sich leider 2017 aufgelöst hat. Sommer ist, was in deinem Kopf passiert. Eigentlich nehmen sie damit auf, was rund 350 Jahre vorher der Liederdichter Paul Gerhardt seinem Herzen empfohlen hat:

Auszugehen, und Sommerfreuden zu suchen. Seiner Reiseempfehlung wollen wir heute folgen.

Psalmlesung // Psalm 104

Lobe den Herrn, meine Seele!
Herr, mein Gott, du bist sehr herrlich;
du bist schön und prächtig geschmückt.
Licht ist dein Kleid, das du anhast.
Du breitest den Himmel aus wie ein Zelt;
der du das Erdreich gegründet hast auf festen Boden,
dass es nicht wankt immer und ewiglich.
Du lässt Brunnen quellen in den Tälern,
dass sie zwischen den Bergen dahinfließen,
dass alle Tiere des Feldes trinken und ihren Durst löschen.
Darüber sitzen die Vögel des Himmels und singen in den Zweigen.
Du tränkst die Berge von oben her,
du machst das Land voll Früchte, die du schaffest.
Du lässt Gras wachsen für das Vieh
und Saat zu Nutz den Menschen,
dass du Brot aus der Erde hervorbringst,
dass der Wein erfreue des Menschen Herz
und sein Antlitz glänze vom Öl
und das Brot des Menschen Herz stärke.

Herr, wie sind deine Werke so groß und viel!
Du hast sie alle weise geordnet,
und die Erde ist voll deiner Güter.
Ich will dem Herrn singen mein Leben lang
und meinen Gott loben, solange ich bin.
Ich freue mich des Herrn.

Lobe den Herrn, meine Seele! Halleluja!

Alle: Gott, ich bin hier.
Und du bist hier. Ich bete zu dir.
Und weiß: ich bin verbunden. Mit dir.
Mit anderen, die zu dir beten.
Genau jetzt. Genauso.
Und ich bringe Dir alles, was war und ist in der Stille Klangschale

– STILLE – Klangschale.

Höre auf unser Gebet.   Amen.

Impuls zum Lied aus dem Gotteslob Nr. 865 „Geh aus, mein Herz“

Liedtext

Geh aus mein Herz und suche Freud
in dieser lieben Sommerszeit
an deines Gottes Gaben.
Schau an der schönen Gärten Zier
und siehe wie sie mir und dir
sich ausgeschmücket haben,
sich ausgeschmücket haben.

Die Bäume stehen voller Laub,
das Erdreich decket seinen Staub
mit einem grünen Kleide.
Narzissus und die Tulipan,
die ziehen sich viel schöner an
als Salomonis Seide.

Die Lerche schwingt sich in die Luft,
das Täublein fliegt aus seiner Kluft
und macht sich in die Wälder.
Die hochbegabte Nachtigall
ergötzt und füllt mit ihrem Schall
Berg, Hügel, Tal und Felder.

Ich selber kann und mag nicht ruhn;
des großen Gottes großes Tun
erweckt mir alle Sinnen;
ich singe mit, wenn alles singt,
und lasse was dem Höchsten klingt,
aus meinem Herzen rinnen.

Gedanken:

Wohin geht dein Herz, wenn es ausgeht? Mit dem Ausgehen ist das ja im Moment so eine Sache. Da gibt es trotz Lockerungen doch noch gewisse Auflagen. Es geht nur beschränkt, mit gebotenem Abstand, mit Maske, mit viel Vorsicht. Spazieren, Joggen, Bummeln gehen? Schon eher und leichter möglich. Wohin geht dein Herz, wenn es ausgehen und dabei Freude finden soll? Paul Gerhardt schickt sein Herz nach draußen in die Natur. Draußen ist es schön, ja: prächtig ausgeschmückt. Bäume voller Laub. Grüne Wiesen bunte Blüten: Narzissus und die Tulipan.  Schön wie Samt und Seide. Nachtigallen füllen Berge, Hügel, Tal und Felder mit ihrem Gesang. Frühlingsgefühle geben Lerche und Tauben Luft und die Flügel; auch Glucken, Storche, Schwalben kommen in Wallung und frönen dem Nestbautrieb. Bäche rauschen und versprechen Abkühlung. Bienen summen emsig und sorgen für Genuss, genau wie Weinstock und Weizen – dass der Wein des Menschen Herz erfreue, sein Antlitz schön werde vom Öl und das Brot des Menschen Herz stärke. Jung und Alt sind gut drauf und geraten ins Schwärmen. Paul Gerhardt geht das Herz auf, wenn es ausgeht in Gottes schöne Welt. Denn die weckt ihm alle Sinne, rührt Herz und Lippen an, da kann auch er nicht anders: Er singt mit, wenn alles singt – da können wir im Moment nur neidisch werden. Das Herze lacht und singt und schwärmt: Wenn es hier auf Erden schon so schön ist, wie schön muss es da wohl erst in Gottes Garten sein, im Paradies? Wie muss es da wohl klingen mit tausend Seraphim und Stimmen, mit tausend schönen Psalmen und Engelsweisen? Halleluja! Aber noch ist er nicht tot und nicht im Paradies. Das weiß er wohl – und weiß es umso mehr zu schätzen, dass es schon auf Erden, hier und jetzt so viel Freude zu finden gibt.

Wohin geht dein Herz, wenn es ausgeht Freude suchen soll? Zum Sport, ins Theater, liest es Illustrierte oder vertieft es sich in ein Buch? Geht’s nach draußen oder muss es gar nicht weit, sieht nur zur Seite und sieht die Liebe dort sitzen, mit der du dein Leben teilst? Was lässt dein Herz höher schlagen, dass es singen möchte vor Glück? Natürlich, manchmal bleiben einem das Herz und die Freude auch im Halse stecken. In Ängsten oder Sorgen, in Nöten oder trüben Gedanken – so manches Herz kommt gar nicht gut aus sich raus. Auch davon übrigens wüsste Paul Gerhardt ein Lied zu singen. Es hat schon seinen Grund, warum er sich selbst auffordert: Geh aus...! Suche...!

Ja, manchmal muss man sich selbst an den Haaren herbeiziehen und das Herz vor die Tür jagen, wenn es Freude finden will. Aber dann gibt es da viel zu entdecken! Natur und Sommer oder eben anderes, was dir das Leben leicht und schön macht; Heute gehen wir mit Paul Gerhardt auf Entdeckungsreise nach dem, was das Herz Aufblühen, Kraft tanken und genießen lässt. Wer suchet – der findet! Geh aus, mein Herz und suche! Dass das, was mir da selber aus dem Herzen rinnt, auch anderen zur Freude und zum Segen wird. Dass das, wovon ich zehre, auch anderen den Glauben an das Gute und das Schöne stärkt. Dass die Hoffnung nicht vergeht: Alles wird gut! Und dass ich erkenne, letztlich ist das Schönste im Leben immer nur Geschenk! Die Liebe, der Glaube, Hoffnung und Frohsinn, Begabungen und Talente. Die einen singen, die anderen zeichnen wunderschön. Die einen backen schönste Torten, die anderen sorgen für die passende Atmosphäre. Manche sind sportlich, andere musikalisch, kreativ, humorvoll, großzügig, weitherzig. Kein Mensch, der nicht ein Talent hat. Kein Mensch, der nicht etwas finden würde, wenn er sich auf die Suche nach Freude macht. Denn die Erde ist voll seiner Güter und was Gott gibt, brauchen wir nur zu sammeln! Das ist die große Stärke des Paul Gerhardt, diese Gewissheit zu vermitteln. Er betet und bittet am Ende, diese Herrlichkeit des Herrn möge ihm ewig erhalten bleiben, mitsamt der Fähigkeit, sich daran zu freuen. Dass die Seele Kraft daraus ziehe und das Herz fest werde, wie ein gut verwurzelter Baum in der Erde. Ein Pflänzchen in Gottes großem Garten werden, das wär ́ was. Und bis das so weit ist, ihm hier auf der Erde stetig blühen. Schick dein Herz auf Entdeckungsreise. Das ist keine große Kunst. Nur eine Frage der Haltung. Schau, was dir Halt gibt; wer oder was dich interessiert. Erzähle den anderen, was dich wirklich berührt.

Danke und lobe, dann kommt die Freude von ganz allein.

Wenn Gott das Gras auf dem Felde schon so herrlich kleidet, um wie viel mehr dann doch euch... uns, alle miteinander. Dann gibt’s da auch was zu finden. Denn er hat alles schön gemacht! Geh aus, mein Herz, und suche Freud. Amen.

Vater unser

Segen

Petra Kleene