Impuls zum Freitag der 23. Woche im Jahreskreis


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Im Zusammenhang damit steht dann immer häufiger die Annahme, dass die Gesellschaft kirchenfern ist, Corona diesen Wandel nur beschleunigt und sowieso bald alles digitalisiert wird. Ja, es liegt durchaus auf der Hand: Gesellschaft und Kirche, das passt irgendwie nicht mehr so ganz. Aber ist es dann nicht viel zu einfach zu sagen, dass die Gesellschaft kirchenfern ist, nicht mehr traditionell und Glauben sowieso keine Rolle mehr spielt?! Ist es nicht viel mehr an der Zeit zu erkennen: Nicht die Gesellschaft ist kirchenfern – die Kirche ist gesellschaftsfern. Wir sind es doch die nicht mitgehen, nicht mitdrehen. Können wir es denn erwarten, dass Menschen mit uns stehen bleiben? Wollen wir wirklich Generationen vom Fortschritt zurückhalten, nur damit wir uns nicht bewegen müssen? Ich denke Corona beschleunigt nicht den Rücktritt, sondern schiebt uns endlich nach vorn. Schau hin, mach die Augen auf. Was heißt es denn für uns als Kirche, wenn den Menschen ein Gottesdienst im Fernseher reicht?! Wohl nicht, dass ihnen das Wort Gottes weniger wichtig sei, sondern vielmehr, dass ihnen die Nähe im Gottesdienst nicht fehlt. Die Nähe, die es, seien wir ehrlich, schon lange nicht mehr gibt. Auch vor Corona schon. Und Nähe muss nicht immer körperlich sein. Ein ehrliches Lachen und ein herzliches Willkommen sind so oft so viel näher als ein Händedruck. Und das ist es doch was uns fehlt. Schon lange. Nur lässt Corona uns das gerade knallhart spüren. Die menschliche Nähe fehlt der Kirche. Die Kirche ist fern und dadurch bleiben es die Menschen.

Aber es gibt noch Hoffnung. Wirklich. Beim letzten Tauferinnerungsgottesdienst der Erstkommunionkinder lief während des Kommuniongangs Musik. Nachdem die Kinder und Eltern wieder in der Bank saßen, kuschelten sich die Kinder an ihre Eltern. Sie suchten die Nähe – genau dann, wann wir es traditionell kennen uns hinzuknien und zu beten. Das taten sie nicht. Sie knieten nicht sondern legten den Kopf auf die Schulter der Eltern, schlossen die Augen und formten mit ihren Lippen ein Lächeln. Sie genossen die Nähe. Die Nähe zu ihren Eltern und auch die Nähe zu Gott. Also, es gibt sie noch – die Menschen, die die Nähe suchen und finden im Gottesdienst. Diejenigen, die sich nicht durch die Traditionen auf Abstand halten lassen. Liebe Kirche, schaut euch die Kinder an.

Jana Maurach